Interview mit Markus Weissmann, MacPorts
Der Quellcode vieler Programme ist frei verfügbar und so ist es – zumindest in der Theorie – leicht möglich, die Software unter allen möglichen Betriebssystemen einzusetzen. In der Praxis kommen hingegen nur die wenigsten End-Anwender mit den Befehlen am Terminal zurecht. Ein Projekt, dass die Übersetzung, Installation und Verwaltung von Open Source Software vereinfacht sind die DarwinPorts. Markus Weissmann ist einer der ehrenamtlich arbeitenden Köpfe hinter dem Projekt und antwortet im Interview auf seine Motivation und die Arbeit innerhalb des Projektes.
Bemerkung: Das Interview ist schon etwas älter. Das Projekt DarwinPorts firmiert jetzt unter dem Namen MacPorts.
Was machst Du, wenn Du nicht gerade die mehr als 500 Ports pflegst und Compiler-Optionen aktualisierst? Gibt es ein Leben jenseits des Bildschirms?
Ich studiere Informatik und arbeite nebenbei für einen grossen deutschen Elektronikkonzern. Ansonsten sing ich in einem Chor, bin kürzlich bei einem Musical aufgetreten, für den Sommer steht ein Theatherstück an. Des Weiteren stehen noch Tanzsport, Snowboarden, Rollenspielen und die üblichen Verdächtigen (Lesen, Musik hören, mit Freunden losziehen) auf dem Programm.
Sicherlich gab es auch bei Dir einen ersten Rechner. Mit welchem Computer hast Du Deine ersten Programme geschrieben? Gibt's es noch "prägende" Erinnerungen an diese Zeit? Bubble Bobble auf dem C=64 gar?
Mein erster Computer war ein 80386DX-33 - sehr zu meinem Leidwesen, da alle meine Freunde den zum Computerspielen viel besseren Amiga 500 hatten. Allerdings war der PC der Familienrechner - meinen erster eigener Computer war viel später ein Pentium 133. Den ersten "richtigen" Code habe ich erst im Studium geschrieben - in Scheme, was mir bis heute eine gewisse Phobie gegen Lisp Dialekte eingebracht hat.
Wie bist Du zu dem Projekt der DarwinPorts gekommen und was ist generell Deine Motivation, Deine Zeit in Open-Source zu stecken? Was hat Dich gereizt, ausgerechnet dort mitzumachen? Es gibt ja schon einige Open-Source-Projekte, die deutlich mehr Renommee versprechen – z.B. der Apache – oder einfach auch bekannter sind - z.B. ganz aktuell Firefox?
Vor 2,5 Jahren hab ich mir – v. a. auch aus Neugier – ein iBook zugelegt. Da Mac OS X selbst ja immer noch keine ordentlich Paketverwaltung besitzt, hab ich zuerst die Pakete des fink Projektes benutzt, da ich zum Hacken (und natürlich zum Studium) natürlich all die schönen Open Source Programme benötigt habe. Da mir allerdings damals aus diversen Gründen die fink Tools nicht gut gefallen haben, bin ich irgendwann über die DarwinPorts gestolpert. Da die DarwinPorts zu diesem Zeitpunkt ca. erst 400 Ports hatten, war es einfach nötig, dass ich selbst Ports schreibe, um all meinen Kram zusammen zu bekommen. Ich denke die Leute landen meist bei Projekten, die sie selbst brauchen können. Und da ich viel notwendiger Entwicklungswerkzeuge und alle möglichen Tools für meinen Mac gebraucht habe, bin ich bei OpenDarwin gelandet.
Worin besteht Deine Aufgabe beim OpenDarwin-Projekt? Und: Verrat doch mal, wie sich die Koordination innerhalb des Teams darstellt. Immerhin sind die Beteiligten nahezu über die ganze Welt verstreut.
Hochoffiziell bin ich in der PortMgr Gruppe und der Verantwortliche für die 'java' und 'python' Kategorie. PortMgr bestimmt die grobe Fahrrichtung des DarwinPorts Projektes und vergibt CVS Schreibrechte an Projektmitglieder. Als Verantworlicher für eine Ports Kategorie, sollte man einen groben Überblich über die Ports seiner Kategorie haben und diese gegebenenfalls aufeinander abstimmen. Die Python Bibliotheken arbeiten z. B. derzeit noch mit Python 2.3 - ich werde mich in den nächsten Wochen daran machen das auf Python 2.4 umzustellen.
Die Koordination innerhalb des Teams ist sehr chaotisch, funktioniert aber hervorragend. Einige Leute im Team sind praktisch immer in unserem IRC Channel anzutreffen, was oft ein echter Segen fuer kleine Problemchen ist. Da unsere Europaer im IRC Nachtschwärmer sind, treffen wir regelmäßig die Leute aus Übersee problemlos. Größere Probleme werden ganz klassisch auf den Mailinglisten diskutiert. Viel wird auch einfach durch direkten Mailkontakt zwischen den Entwicklern geregelt.
Wenn Du von einer Software, deren Quellcode offen ist, einen Port erstellen möchtest: Wie gehst Du dabei vor? Reicht Dir in der Regel die Dokumentation der Entwickler, die Du dann auf die Spezifikation von Mac OS X / Darwin anpasst oder ist da auch viel Trial-and-Error dabei? Nutzt Du Xcode oder beschränkst Du Dich auf die Tools des GNU-Projektes?
Ich habe mir mittlerweile ein Programm geschrieben, dass mir ein neues Portfile mit meinen Vorgaben (Name, Kategorie, ..) erzeugt. In 10% der Fälle funktioniert dieses Portfile sofort. Im Rest der Fälle benötigt man nur kleine Veränderungen. Man probiert einfach aus, das Programm zu kompilieren und sieht sich dann die Fehlermeldungen an. Im Laufe der Zeit kennt man dann eine Reihe von typischen Fehlern und kann auch mit den Kompilerfehlern mehr anfangen. Es ist dann auch oft sehr schnell absehbar, ob die Portierung sehr aufwendig wird, und evtl. nicht lohnt. Die meistgebrauchten Programme zum Portieren sind ohne Frage vim (mein Lieblingseditor) und diff (zum Erstellen der Patches).
Mitte Oktober hast Du zusammen mit einigen Mitstreitern die DarwinPorts auf der Systems in München präsentiert. Wie war die Resonanz auf Euren Messestand?
Viele Messebesucher konnten mit dem gesamten Open Source Gemeinschaftsstand nichts anfangen und haben dann nach zwei kurzen Fragen schleunigst das Weite gesucht... Es waren allerdings auch einige DarwinPorts Benutzer unterwegs, mit denen wir uns ausgetauscht haben und auch eine Handvoll potenzieller neuer User. Alles in allem würde ich sagen, die Resonanz war durchwachsen.
Ärgern Dich / Euch eigentlich Webseiten wie z.B. www.darwinports.com, wo ein Trittbrettfahrer mit möglichst viel Werbung von Eurer ehrenamtlichen Arbeit profitiert?
Nun ja, es ärgert mich in soweit, als dass neue Benutzer durch diese Seite oft schlechte oder sogar falsche Anweisungen bekommen. Wenn wir Glück haben, finden diese noch unsere Mailingslisten und beschweren sich - woraufhin wir dann alles klären können. Um diejenigen die sich allerdings vorher frustriert abwenden, um die finde ich es sehr schade. Nichtsdestotrotz ist es denke ich jedem Open Source Entwickler klar, dass u. U. andere Leute mit seiner Arbeit Geld verdienen. SuSE und RedHat tun ja z. B. genau das.
Gibt es Unterstützung von Apple für die DarwinPorts? Hast Du den Eindruck, dass Euer Projekt von Apple als wichtig wahrgenommen wird oder seit Ihr lediglich in der Rubrik "Unter Ferner liefen..." zu finden?
Da das OpenDarwin Projekt von Apple selbst mitinitiiert ist, nimmt man uns in Cupertino durchaus wahr. Auch arbeiten ja einige Apple Mitarbeiter bei OpenDarwin und den DarwinPorts mit. Auch bekommen wir Unterstützung von Apple, z. B. in Form von Hardware für unseren Webserver oder auch Seed Keys fuer die Apple Developer Connection. Apple liegt natürlich etwas daran, dass möglichst viele Ports sofort auf Mac OS X 10.4 verfügbar sind. Deshalb habe ich hier auch DVDs mit der "Tiger" Beta liegen - gesponsort von Apple.
Zum Schluß: Auf Deiner Webseite schreibst Du »Programming is an art.« Mit welcher Programmiersprache sollte ein Amateur, der nicht Informatik studiert hat und dergleichen eigentlich nur "für den Hausgebrauch" lernen möchte, Deiner Meinung nach beginnen?
Python. (Aber man kann Python natürlich auch prima als professioneller Programmierer für berufliche Projekte einsetzen.)
Vielen Dank für die Antworten
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