Äpfel mit Koffein
Für Mac OS X existieren eine große Anzahl an Programmiersprachen. Für die plattformübergreifende Entwicklung eignen sich die Skriptsprachen wie Python und Ruby zwar durchaus. Sind aber graphische Benutzeroberflächen im Spiel, so wird die Luft recht eng. Java eignet sich für solche Programme sehr gut und mit Thingamablog und dem Java Anon Proxy stehen zwei Beispiele für eine plattformübergreifende Entwicklung zur Verfügung. Aber auch wenn der Aufwand, ein Java-Programm sowohl für Windows als auch Mac OS X zu schreiben, sich in Grenzen hält: Kompliziert genug für ein ganzes Buch ist die Materie schon. Thomas Much hat bei Galileo Computing »Java für Mac OS X« veröffentlicht.
Das Buch richtet sich in erster Linie an Entwickler, die schon über ein wenig Erfahrung in der Programmierung mit Java verfügen. Wer noch nie mit Java ein Programm geschrieben hat, für den findet sich im Anhang eine Kürzesteinführung. Aber auch hier sollte man grundlegendes Wissen in der objektorientierten Programmierung schon parat haben. Um überhaupt mit Java erste Schritte zu wagen, wäre ein anderes Buch besser geeignet.
Damit wäre die Zielgruppe des Buches, im weitesten Sinne also Switcher von anderen Entwicklungsplattformen, schonmal klar umrissen. Dementsprechend finden sich auf den ersten Seiten eine einen kurze Einführung in die Spezifika von Mac OS X, dem Finder und dem Terminal. Leser, die bereits unter Windows und Linux über ein (semi-) professionelles Wissen und können verfügen, verschaffen sich so einen schnellen Überblick und sparen bei der Entwicklung Zeit. Recht viel Platz wird auch für die Beschreibung unterschiedlicher Entwicklungswerkzeuge für OS X verwendet. Dort findet sich kurzen Beschreibungen nützlicher Editoren und Tools auch eine umfangreiche Einführung in Xcode.
Bei der Entwicklung graphischer Oberflächen greift Thomas Much nicht nur auf die bekannte Swing-Bibliothek zurück, sondern erläutert auch die Besonderheiten, die von Apple zur besseren Integration in Mac OS X eingeflochten wurden. Angenehm ist, dass bei den Erläuterungen umfangreicher Listings nur die Änderungen zu schon vorher beschriebenen wieder gegeben werden. Oftmals wird mit der seitenlangen Wiederholung umfangreicher Listings mächtig Platz geschunden. Thomas Much beschränkt sich auf die Änderungen und setzt damit eine Art »mündigen Leser« voraus (Die vollständigen Listings finden sich selbstverständlich auf der beiliegenden CD-Rom.) und verschwendet damit keinen Platz.
In der Sprache nüchtern und sachbezogen erläutert Thomas Much zielgerichtet eine Reihe von Besonderheiten, die für Entwickler, die Erfahrung mit Java aber keine mit OS X haben, Zeit und Geld sparen werden. Dabei greift er auch in den folgenden Kapitel nicht nur auf Sprach-spezifische Besonderheiten zurück, sondern erklärt auch das Handling von Icons, dem Aussehen im Dock und der Arbeit mit der JVM von der Shell aus und was dabei unter OS X zu beachten ist. Die QuickTime-Integration nimmt er sich dabei ebenso prägnant vor wie auch die Integration von Datenbanken (JDBC und ODBC) und Servlets resp. Java Server Pages. Der umfangreiche Anhang greift zudem noch einige Themen (z.B. Java und Mac OS Classic) auf, die im Haupttext nicht einsortiert werden konnten.
Fazit
Das Buch Java für Mac OS X von Thomas Much ist für erfahrenere Java-Entwickler beim Umstieg auf OS X eine wahre Goldgrube. Leider wird die Arbeit mit Cocoa und der entsprechenden Java-Cocoa-Bridge nur sehr kurz abgehandelt. Ansonsten gibt es aus meiner Sicht keine Kritik.
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