Man kann seine Webseite von Hand mit einem einfachen Text-Editor wie
jEdit pflegen, ein WYSIWYG-Programm wie den Dreamweaver benutzen oder auf dem Webserver ein Content Management System (CMS) installieren. Ein CMS einzusetzen kann viele Gründe haben. Spätestens wenn die Webseite mit mehreren Mitarbeitern betreut wird, erleichtert ein solches System die Arbeit, deren Verteilung und die Aktualisierung der Inhalte. Typo3 hat in vergleichsweise kurzer Zeit eine enorm weite Verbreitung gefunden und erfreut sich einer großen, treuen und aktiven Fangemeinde. Das System ist Open Source und gut dokumentiert, dennoch ist es vergleichsweise kompliziert und sein Einsatz will wohl überlegt sein. Mac OS X bringt für den Betrieb von Typo3 eigentlich alle Grundvoraussetzungen mit, so dass man mit vertretbarem Aufwand auf dem eigenen Rechner eine Typo3-Installation einrichten kann.
Die Installation und Einrichtung besteht dabei aus folgenden Schritten:
- Konfiguration des Apache Webservers und eine Test-Domain www.typo3.dev
- Installation des MySQL-Servers und Anlegen einer Datenbank für Typo3
- Installation des Pakets ImageMagick zur Bearbeitung von Grafikdateien
- Installation von Typo3 und eines Beispielprojekts
Die Domain zum Testen:
www.typo3.dev
Der erste Schritt besteht darin, dem eigenen Rechner mitzuteilen, dass der URL
www.typo3.dev auf die eigene IP-Adresse, also auf sich selbst umgeleitet werden soll. Die einfachste Methode hierfür besteht in der Ergänzung der Datei /etc/hosts. Mit sudo nano /etc/hosts und der anschließenden Eingabe des Admin-Passwortes wird der Editor aufgerufen und die Datei zur Bearbeitung geöffnet. Der bisherige Inhalt sollte nicht geändert werden. Lediglich die Zeile
127.0.0.1
www.typo3.dev
sollte am Ende ergänzt werden. Sämtliche Anfragen an die Domain
www.typo3.dev werden nun vom System auf den eigenen Rechner umgeleitet. Der zweite Schritt besteht jetzt darin, dass der Apache Webserver auf eine Anfrage auf dieser Adresse reagiert und diese auf die Dateien in einem eigenen Verzeichnis umleitet. Hierzu wird zunächst mit sudo nano /etc/httpd/httpd.conf die Konfigurationsdatei des Servers geöffnet. An deren Ende wird die Zeile
Include /private/etc/httpd/domains.conf
hinzugefügt. Diese Zeile hat die Funktion, die noch nicht existente Datei domains.conf ebenfalls für die Konfiguration des Servers hinzu zu ziehen. Nun wird mit sudo nano /etc/httpd/domains.conf diese neue Datei erstellt. Der Inhalt dieser Datei besteht aus den Zeilen
<VirtualHost *>
ServerName
www.typo3.dev
DocumentRoot /Users/kai/Sites/www.typo3.dev/html
</VirtualHost>
Mit diesen Anweisungen werden Anfragen auf
www.typo3.dev auf das Verzeichnis
www.typo3.dev/html im Ordner Web-Sites des Benutzers kai umgeleitet.
Nachdem so die Vorarbeiten für die gesonderte Domain abgeschlossen sind, muss der Webserver an sich noch konfiguriert werden, sofern das noch nicht der Fall ist. Hierzu wird die Konfigurations-Datei erneut mit sudo nano /etc/httpd/httpd.conf geöffnet. In den ZeilenLoadModule php4_module libexec/httpd/libphp4.so und AddModule mod_php4.c ist das Doppelkreuz zu löschen. Dann muss in der Zeile NameVirtualHost *:80 ebenfalls das Zeichen
# gelöscht werden. Mit letzterem wird die Unterstützung für mehrere Domains, also auch
www.typo3.dev, aktiviert. Der Webserver wird mit sudo apachectl restart neu gestartet und die Änderungen der Konfiguration werden aktiviert.
Die Installation von MySQL
Der Datenbankserver MySQL ist mittlerweile in der Version 5.0 verfügbar. Sofern man nicht auf die Neuerungen dieser Version angewiesen ist (und damit wahrscheinlich auch schon etwas mehr Erfahrung mit SQL und Datenbankentwicklung hat), erfüllt auch eine ältere Version 4.1 für Typo3 gute Dienste.
Ist noch kein MySQL-Server installiert, dann kann in der Rubrik
Download von MySQL.com ein fertiges Installations-Paket für OS X in verschiedenen Varianten (u.a. Intel) herunter geladen werden. Die Version Standard ist ausreichend.
Der MySQL-Server bringt ein eigenes StartupItem mit.
In der herunter geladenen DMG-Datei befinden sich zwei Installationspakete. Das Paket mysql-standard-5.0.19-osx10.4-powerpc.pkg beinhaltet die für den Betrieb des Servers notwendigen Dateien und Programme. Das Paket MySQLStartupItem.pkg enthält ein StartupItem. Dieses sorgt dafür, dass der Server nach jedem Start automatisch aktiviert wird. Mit einem Doppelklick auf das Paket mysql-standard-5.0.19-osx10.4-powerpc.pkg wird das Installationsprogramm von OS X gestartet. Die Installation verläuft wie unter OS X üblich. Nach der Installation des Servers sollte noch das StartupItem installiert werden. Die Datei MySQL.prefPane enthält eine Komponente für die Systemeinstellungen, mit der sich der Server starten und stoppen lässt und die auch die Kontrolle über den automatischen Start beim Systemstart erlaubt.
Das Installations-Programm legt die Dateien und Programme von MySQL im Verzeichnis /usr/local/mysql ab.
Nach der Installation der beiden Pakete kann der MySQL-Server am Terminal mit dem Befehl
sudo /Library/StartupItems/MySQLCOM/MySQLCOM start
gestartet werden. Es erscheint, bevor der Prompt wieder zur Verfügung steht, die Meldung Starting MySQL database server. In dieser Installation von MySQL ist dem Benutzer root des Datenbanksystems noch kein Passwort zugewiesen, das System ist also de facto frei zugänglich. Mit der Eingabe
/usr/local/mysql/bin/mysql -u root
wird eine Anmeldung am System als Super-User vollzogen. Der Prompt ändert sich nun in mysql> und alle Eingaben werden nicht mehr von der Shell sondern von MySQL entgegen genommen. Ein neues Passwort wird mit der Eingabe
SET PASSWORD FOR 'root'@'localhost' = PASSWORD('geheim');
vergeben, wobei in diesem Beispiel das Passwort »geheim« lautet. Mit der Eingabe von exit erscheint wieder die Shell.
Am Terminal sollte dem Benutzer root des MySQL-Systems ein Passwort zugewiesen werden.
Nun gilt es, einen eigenen Benutzer und eine eigene Datenbank für Typo3 innerhalb von MySQL anzulegen. Hierzu wird am Terminal mit
/usr/local/mysql/bin/mysql -u root -p
erneut die Eingabeaufforderung von MySQL gestartet. Die Option -p bedingt die Eingabe des zuvor festgelegten Passwortes. Nach der erfolgreichen Identifizierung wechselt der Prompt wieder in mysql>. Eine neue Datenbank namens typo3 wird mit
CREATE DATABASE `typo3`;
erstellt. Nachdem die Datenbank angelegt wurde, wird die Meldung Query OK, 1 row affected (0.26 sec) ausgegeben und es erscheint wieder der Prompt von MySQL. Ein neuer Benutzer typo3db mit einem Passwort 123 lässt sich mit
GRANT ALL PRIVILEGES ON typo3.* TO typo3db@localhost IDENTIFIED BY '123' WITH GRANT OPTION;
anlegen. Mit exit erscheint wieder die Shell und die Vorarbeiten mit MySQL sind damit abgeschlossen.
Installation von ImageMagick
Das Paket
ImageMagick ermöglicht am Terminal ähnlich wie auch sips die schnelle Bearbeitung und Manipulation von Bildern. Mit den DarwinPorts lässt sich das Paket mit dem Befehl
sudo port install ImageMagick
und ein wenig Geduld leicht im Verzeichnis /opt/local/bin installieren. Alternativ steht auch auf der Webseite des Projektes ein bereits fertiges Installations-Paket für OS X zum
Download zur Verfügung. Dies lässt sich in einem beliebigen Verzeichnis installieren, wobei in dieser Variante noch der Umgebungsvariable DYLD_LIBRARY_PATH in der Datei ~/.MacOS der Wert /Pfad/zu//ImageMagick-6.2.5/lib zugewiesen werden muss. Die Arbeit mit den DarwinPorts ist entscheiden einfacher.
Installation von Typo3
Mit der Konfiguration des Apache Webservers, der Installation und Einrichtung von MySQL sowie von ImageMagick sind alle Komponenten vorhanden, die von Typo3 benötigt werden. Typo3 selbst besteht aus zwei Komponenten oder Paketen, die jeweils separat
herunter geladen werden müssen. Ersten ein als typo3_src-4.0 bezeichnetes Paket, das die grundlegenden Funktionen, Bibliotheken und Skripten von Typo3 beinhaltet. Zweitens eine leeres Projekt mit der Bezeichnung dummy-4.0, das als leere Hülle für eine eigene Webseite dient. Beide
stehen auf SourceForge bereit.
Die beiden Archive typo3_src-4.0.tar.gz und dummy-4.0.tar.gz sollten im Verzeichnis /Users/kai/Sites/www.typo3.dev oder dem Verzeichnis, für das der Apache Webserver konfiguriert wurde, abgelegt und extrahiert werden. Anschließend muss das Verzeichnis dummy-4.0 in html umbenannt werden. Die .tar- und .gz-Dateien können dann gelöscht werden.
Um die Installation vorzunehmen, müssen noch die Zugriffsrechte korrigiert werden. Am Terminal wird mit
sudo chown -R www:www ~/Sites/www.typo3.dev/
das Verzeichnis, das die Dateien von Typo3 enthält, dem Webserver (www) zugewiesen. Im Browser kann nun einfach die Domain
http://www.typo3.dev aufgerufen werden. Typo3 wurde so entwickelt, dass automatisch das so genannte Install Tool aufgerufen wird, wenn noch keine Installation erfolgt ist. Sie erhalten hier zunächst eine Warnung und eine Fehlermeldung in der ersten Zeile. Beide können aufgrund der Installation im eigenen Netzwerk ignoriert werden. Wenn Sie jedoch Typo3 auf einem öffentlich zugänglichen Webserver installieren, sollten Sie sich unbedingt noch mit den Sicherheitsfunktion von Typo3 vertraut machen.
Beim ersten Aufruf erscheint eine Warnung.
Das Install Tool gliedert die Installation in drei Schritte. Im ersten Schritt wird als Username der oben für MySQL festgelegte Benutzer eingegeben, unter Password die zugehörige Kennung. Als Host sollte die Voreinstellung (localhost) übernommen werden, somit erfolgt der Zugriff auf den lokalen MySQL-Server.
Im ersten Schritt der Installation werden die Zugangsdaten für den MySQL-Server eingegeben.
Im zweiten Schritt wird unter Select an existing EMPTY database die zuvor eigens für Typo3 angelegte Datenbank typo3 ausgewählt.
Im zweiten Schritt wird die zuvor erstellte Datenbank typo3 vorgegeben.
Der dritte Schritt besteht darin, die zuvor ausgewählte Datenbank mit den für Typo3 wichtigen Informationen zu füllen, die notwendigen Tabellen und Spalten anzulegen und erste Rohdaten für die spätere Webseite einzutragen. Für diesen Schritt muss lediglich die Option Create default database tables ausgewählt werden.
Im dritten Schritt wird die Datenbank mit den nötigen Tabellen und Werten gefüllt.
Nach der eigentlichen Grundinstallation stehen drei Möglichkeiten zur Verfügung. Zunächst kann man sich über Go to the frontend pages die noch leere Startseite des nun eingerichteten Typo3-Projektes anschauen. Der Link Go to the backend login führt zur Administrations-Oberfläche von Typo3. Dort lassen sich die Webseiten bearbeiten, neue Inhalte erstellen und vorhandene aktualisieren und löschen. Bevor jedoch Inhalte, zu denen auch Bilder und Grafiken gehören, eingepflegt werden, sollte über den Link Continue to configure TYPO3 erneut das Install Tool für weitere Einstellungen aufgerufen werden.
Nach der erfolgten Grundinstallation steht das Install Tool für weitere Einstellungen zur Verfügung.
Wird nach erfolgter Installation das Install Tool erneut aufgerufen, dann stehen unter dem fünften Punkt All Configuration detaillierte Einstellungen unter anderem für die Bildbearbeitung zur Verfügung. (Die anderen Funktionen wie zum Beispiel Database Analyser werden in der Regel erst im laufenden Betrieb von Typo3 benötigt.)
Der Punkt All Configuration ermöglicht die Setzung des Pfades zu ImageMagick.
In der Liste von Optionen, die nach der Auswahl von All Configuration erscheint, findet sich auch ein Eintrag [im_path]. Hier muss der Pfad zu ImageMagick eingetragen werden. Sofern ImageMagick mit Hilfe der DarwinPorts installiert wurde, lautet der Pfad /opt/local/bin/. Ein Klick auf die Schaltfläche Write to localconf.php ganz am Ende der Seite speichert die Einstellungen.
Der Pfad zu ImageMagick wird unter [im_path] eingetragen.
Um Sicherheitsprobleme, die aus dem Install Tool resultieren, zu minimieren, sollte es nun deaktiviert werden. Hierzu muss in der Datei localconf.php, die sich im Verzeichnis html/typo3conf befindet, die Zeile
$TYPO3_CONF_VARS['BE']['installToolPassword'] = 'bacb98acf97e0b6112b1d1b650b84971';
in
$TYPO3_CONF_VARS['BE']['installToolPassword'] = '';
geändert werden. Das Install Tool verweigert die Arbeit, wenn kein Passwort gesetzt wurde.
Die backend genannte Administrations-Oberfläche findet sich in dieser Installation unter dem URL
http://www.typo3.dev/typo3/index.php. Hier kann die Anmeldung mit dem Benutzer admin und dem Passwort password vollzogen werden.
Nach der Installation kann die Webseite im backend genannten Bereich erstellt und gepflegt werden.
Nach der erfolgreichen Anmeldung erscheinen hier zwei Warnungen. Zunächst erinnert Typo3 daran, dass das Passwort nach wie vor password lautet und sich Dritte dementsprechend leicht Zugriff verschaffen können. Dann fehlt dem System noch eine Reference Index genannte Tabelle in der Datenbank. Diese lässt sich im backend erstellen, indem links im Menü der Punkt DB Check aus dem Untermenü Tools ausgewählt wird. Dort findet sich in einem Ausklappmenü die Option Manage Reference Index und nach dessen Auswahl eine Schaltfläche Update now! die notwendige Tabelle erzeugt. Das Passwort für den Benutzer admin kann im Untermenü User Admin geändert werden. Unter der Überschrift results werden die zur Verwaltung von Typo3 eingerichteten Benutzer aufgeführt. Über das Icon mit dem Stift (edit) gelangen Sie zu den detaillierten Einstellungen dieses Benutzers und können hier auch ein eigenes Passwort vergeben.
Das Passwort des Benutzers admin wird im Menü User Admin geändert.
Und jetzt?
Typo3 ist nun fertig installiert und wartet darauf, ausprobiert und genutzt zu werden. Auf die Arbeit im Backend Modul einzugehen, würde den Rahmen dieser kleinen Anleitung zur Installation bei weitem sprengen. Bei den ersten Schritten innerhalb von Typo3 dürfte das Tutorial
Der Einstieg in der deutschen Übersetzung von von Robert Lemke sicher hilfreich sein. Ferner gibt es im Netz noch weitere Tutorials und Einführungen sowie mittlerweile eine ganze Reihe von Büchern, die Typo3 für ganz unterschiedliche Zielgruppen (Redakteure, Webdesigner, Entwickler) vorstellen und erklären.
Lesefutter: Typo3 – Das Handbuch für Entwickler
Galileo Computing708 S., 2005, geb.44,90 EuroISBN 3-89842-605-X
Zweite Auflage
Typo3 ist ein sehr kompliziertes System, dessen Aufbau sich auch dem kundigen Entwickler nicht sofort erschließt. Zwar ist die Dokumentation von Haus aus sehr gut und auch die Community rund um das Projekt ist sehr aktiv und engagiert, aber manchmal kann die konzentrierte Lektüre eines Buchs eine gute Ergänzung darstellen. Das Autorenteam rund um Kai Laborenz hat zu Typo3 in der Version 3.8 mit knapp 700 Seiten ein ziemlich dickes Buch verfasst. Der Titel richtet sich nicht an Anfänger, die eine erste Webseite aufbauen möchten, sondern an Entwickler, die ihre Kenntnisse in Typo3 vertiefen und gezielt um Schwerpunkte ergänzen möchten. Der Schreibstil wechselt naturgemäß von Kapitel zu Kapitel ein wenig, dennoch sind keine »Ausreißer nach unten« zu vermelden. Das Buch bietet für fortgeschrittene Anwender, die über grundlegende Kenntnisse in PHP verfügen, viele Anregungen. Der in Typo3 eingebaute Befehlsschatz Typoscript zur Ansteuerung von PHP-Funktionen wirft eine Reihe von Fragen auf, die in diesem Buch kompetent und didaktisch gut aufbereitet beantwortet werden. Ein Steckenpferd von Kai Laborenz, der auch das bald in vierter Auflage erhältliche Buch
CSS Praxis geschrieben hat, ist die Barrierefreiheit von Webseiten. In einem umfangreichen Kapitel wird gezeigt, wie man die Vorlagen von Typo3 in Kombination mit Cascading Stylesheets und HTML so gestaltet, dass auch Menschen mit einem Handicap problemlos die Informationen der mit Typo3 realisierten Webseite aufrufen können. Das derzeit in Überarbeitung befindliche Buch dürfte für den gezielten Einsatz von Typo3 eine wesentliche Hilfe und Ergänzung zur Dokumentation darstellen.
Weitere Informationen
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