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Schreiben mit MarsEdit

Ein Browser wie Safari oder Firefox eignet sich meiner Meinung nach nur begrenzt für das Schreiben für's Web. Auch wenn einige Programme wie eben Firefox Erweiterungen mitbringen, die etwas Textverarbeitung ermöglichen, so sind die Möglichkeiten doch zu sehr begrenzt. Und außerdem muss man online sein, um sich auf der Webseite in seinem Content-Management-System einzuloggen und das entsprechende Formular aufzurufen. Entwürfe kann man zwar speichern, aber so richtig funktioniert das alles nicht. Eine Alternative bestünde vielleicht darin, Word oder OpenOffice.org zu verwenden, aber damit ist nicht wirklich viel gewonnen. Schließlich muss man sich hinterher um das Hochladen der Bilder kümmern, und auch die Formatierung des Textes ist selten optimal. Das kostet alles Zeit und lenkt vom Schreiben ab.

XML-RPC als Grundlage

MarsEdit ist ein eher kleines, aber sehr feines Programm, das die oben umschriebenen Probleme löst. Zunächst bietet MarsEdit die üblichen Funktionen, die einem aus einem Editor schon bekannt sind. Der Clou besteht nun darin, dass die Texte direkt aus MarsEdit heraus publiziert werden können. Die technische Grundlage und auch Schnittstelle stellt hierbei XML-RPC dar. Etwas vereinfacht besteht das Verfahren darin, dass MarsEdit eine XML-Datei an das Content-Management-System wie Wordpress oder Habari schickt. Das System nimmt diese XML-Datei entgegen, und publiziert dann den übermittelten Text. Anschließend erhält MarsEdit vom CMS eine zweite XML-Datei, die entweder über die erfolgreiche Publikation informiert oder Details über einen aufgetretenen Fehler enthält. Für technisch weniger Interessierte mag dieses Verfahren kompliziert erscheinen. Letztlich führt es dazu, dass man seinen Text direkt aus MarsEdit heraus ohne Umwege über den Browser oder das FTP-Programm auf die Webseite stellen kann. Das wäre soweit noch nichts, was die Anschaffung von MarsEdit rechtfertigen würde. Seinen Nutzen erweist MarsEdit durch seine zahlreichen Zusatzfunktionen.

Konfiguration

Bevor aber ins Internet geschrieben werden kann, muss erstmal sowohl MarsEdit als auch das Content-Management-System konfiguriert werden. Für die meisten Systeme wie WordPress, Serendipity oder Habari gibt es Module, die die zuvor beschriebene Funktionalität zur Verfügung stellen. Manchmal firmieren sie auch unter dem Begriff Blogapi, also der Schnittstelle zum Blog. Hier muss manchmal etwas in der Dokumentation gesucht, um das richtige Modul zu finden. Ferner muss der URL ermittelt werden, über den die Schnittstelle erreicht werden kann. Oft, aber nicht immer, lautet er in etwa http://www.domain.de/blog/xmlrpc.php oder ähnliche.

Für die Konfiguration des Weblogs sollte dessen Dokumentation insbesondere in Bezug auf die zu verwendende API (Metaweblog, Blogger, Moveable Type, …) konsultiert werden.

Für die Konfiguration des Weblogs sollte dessen Dokumentation insbesondere in Bezug auf die zu verwendende API (Metaweblog, Blogger, Moveable Type, …) konsultiert werden.

MarsEdit ist in der Lage, mehrere Weblogs zu beliefern. Über den Menüpunkt FileNew Blog kann ein neues Weblog konfiguriert werden. MarsEdit fragt hier zunächst nach der Adresse des Weblogs. Es ist möglich, dass die Konfiguration automatisch abläuft. Nach meiner Erfahrung ist dies aber ein Glücksspiel, um die Lektüre der Dokumentation des CMS und die eigenhändige Vornahme der Einstellungen kommt man meist nicht herum. Über den Menüpunkt BlogEdit Settings werden die Einstellungen des Weblogs aufgerufen. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Verfahren etabliert, um via XMLRPC ein Weblog zu pflegen. Die Blogger API wurde von dem mittlerweile zu Google gehörenden Dienst Blogger.com entwickelt und erfuhr einige Weiterentwicklungen wie die MetaWeblog API. Welche hier am Besten funktioniert, hängt vom eingesetzten System ab. Auch die Eingabe unter Blog ID kann nur durch einen Blick in die Dokumentation des CMS ermittelt werden. Diese Konfiguration ist manchmal mit ein klein wenig Tüftelei verbunden, ist aber eigentlich keine große Herausforderung.

Schreiben für's Web

Wenn die Konfiguration dann mal geklappt hat, kann MarsEdit seine Stärken ausspielen. Zunächst lädt MarsEdit die letzten schon vorhandenen Einträge herunter und ermöglicht die nachträgliche Bearbeitung. Das Hauptfenster gliedert sich, soweit nicht weiter originell, in drei Bereiche. In der linken Spalte finden sich die konfigurierten Weblogs, im oberen Drittel die vorhandenen Artikel und darunter eine Vorschau des ausgewählten Beitrags. Die Schaltfläche Refresh gleicht die in MarsEdit vorhandenen Einträge mit den im Weblog schon vorhandenen ab.

Über die Schaltfläche Refresh kann der Stand von MarsEdit mit dem Weblog synchronisiert werden.

Über die Schaltfläche Refresh kann der Stand von MarsEdit mit dem Weblog synchronisiert werden.

Zur Bearbeitung eines neuen Eintrags stellt MarsEdit ein eigenes Fenster zur Verfügung. Der Text kann wahlweise direkt als HTML oder über RTF formatiert eingegeben werden. Sofern das Weblog Kategorien zur Verfügung stellt, werden diese rechts aufgeführt. Der Editor selbst ist eher spartanisch, ermöglicht aber die Konzentration auf den Text. Die Schaltfläche Preview öffnet ein neues Fenster mit einer Vorschau des Eintrags. Dabei wird nicht auf die Stylesheets des Weblogs zurück gegriffen. Etwaige Vorgaben für die Schriftarten und -farben werden somit nicht beachtet. Für die schnelle Prüfung, ob der eingegebene HTML-Code korrekt ist, reicht die Vorschau allerdings aus.

Der Editor von MarsEdit stellt den Text wahlweise als HTML-Code oder mit Formatierungen als RTF dar.

Der Editor von MarsEdit stellt den Text wahlweise als HTML-Code oder mit Formatierungen als RTF dar.

Der Editor greift auf die Funktionen von OS X zurück. Das heißt, dass sowohl die Rechtschreibprüfung als auch die Eingabe von Sonderzeichen genutzt werden können. Ein in der Zwischenablage befindlicher URL kann mittels cmd + A direkt als Link eingefügt werden. Wurde vorher Text markiert, dann wird dieser verlinkt. Das mag nicht spektakulär wirken, aber wenn in einem Beitrag viele Links gesetzt werden müssen, dann spart diese Funktion Zeit und Arbeit. Auf die direkte Eingabe des <a href-Codes kann verzichtet werden. Ein Klick auf die Schaltfläche Send to Blog übermittelt den Eintrag und publiziert ihn im Web.

Hilfsmittel und Tools

Die Produktivität steigert MarsEdit durch einige kleine, aber feine Hilfsmittel. Für oft verwendete Text- und Codeschnipsel bietet MarsEdit ein Menü Format an. Hier können über einen Mausklick oder ein zu vergebendes Tastenkürzel die Schnipsel direkt eingefügt werden. Dabei ist MarsEdit nicht auf Standformatierungen wie fett oder kursiv festgelegt. Über den Eintrag Edit lassen sich die Schnipsel bearbeiten, Platzhalter wie #pastetext# für den aktuellen Inhalt der Zwischenablage einfügen und der vor und nach dem Cursor einzufügende HTML-Code eingeben. Das Tastenkürzel wird oben rechts festgelegt. Die Funktion ist ideal und unglaublich hilfreich, wenn einige Textbausteine immer wieder genutzt werden. Es mag ein klein wenig Zeit in Anspruch nehmen, die Bausteine zu sammeln und zu konfigurieren, aber hinterher steigert es die Geschwindigkeit des Schreibens enorm.

In den Textschnipseln können auch Platzhalter genutzt werden.

In den Textschnipseln können auch Platzhalter genutzt werden.

Ein weiteres nützliches Hilfsmittel ist das in MarsEdit enthaltene Upload Utility. Während im Media Browser in bekannter Form auf Elemente aus der iPhoto-Bibliothek zurück gegriffen werden kann, kann im Upload Utility eine Datei ausgewählt werden. Bei einem Bild kann die Größe auch verkleinert werden, MarsEdit nimmt in diesem Fall die notwendige Berechnung selbst vor. Über die Schaltfläche Upload with Post wird die Datei nur hochgeladen, wenn der Eintrag auch wirklich publiziert wird. An der Stelle des Cursors wird dann das notwendige <img>-Tag eingefügt, wobei die Größenangaben enthalten sind.

Über das Upload Utility kann auch die Größe eines Bilds angepasst werden.

Über das Upload Utility kann auch die Größe eines Bilds angepasst werden.

Die maximale Größe der Bilder lässt sich in den Voreinstellungen eines Weblogs vorgeben. Wenn das Design eines Weblogs nicht mehr als 600 Pixel in der Breite zulässt, dann lässt sich dies in den Voreinstellungen vorgeben. MarsEdit verkleinert dann neue Bilder automatisch auf die maximal mögliche Breite. Durch diese automatische Anpassung der Breite und den integrierten Upload nimmt einem MarsEdit bei einer weiteren Aufgabe viel Aufwand ab.

Bilder werden in der Vorschau eines Beitrags ebenfalls angezeigt.

Bilder werden in der Vorschau eines Beitrags ebenfalls angezeigt.

Fazit

MarsEdit eine Empfehlung wert macht auch dessen Entwickler, Daniel Jakult. Er antwortet sehr schnell auf Fehlermeldungen und Anregungen. Heutzutage keine Selbstverständlichkeit. Für mich hat sich das kleine Programm schnell als unverzichtbares Werkzeug beim Bloggen und Schreiben erwiesen. Die kleinen, aber präzisen Funktionen nehmen mir genau die Arbeiten ab, die mich beim Schreiben behindern. Abschließend mit Send to Blog den fix formatierten Eintrag inklusive etwaiger Bilder und Anhänge zu publizieren, ohne mich zuvor an irgendeiner Webseite anmelden und gegebenenfalls weitere Programme starten zu müssen, erhöht den Spaß am Bloggen.

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